
Allein an der Spitze,
der Preis der Verantwortung
von Nathalie Braunwalder, People Dynamics GmbH.
Es war ein ganz normaler Dienstagmorgen. Ich sass einem Geschäftsführer gegenüber. Mitte vierzig, erfolgreich, sein Unternehmen seit Jahren aufgebaut. Er lehnte sich zurück, schaute kurz aus dem Fenster und sagte dann leise: „Weisst du, ich rede mit niemandem darüber. Mit meinen Mitarbeitenden kann ich nicht, ich bin ihr Chef. Mit meiner Frau will ich nicht, sie sorgt sich dann. Und mit meinen Geschäftspartnern schon gar nicht.“ Er pausierte. „Also trage ich es einfach. Allein.“ Ich habe diesen Satz seitdem nicht vergessen. Nicht weil er ungewöhnlich war, sondern weil ich ihn so oft gehört habe. In diversen Varianten, von verschiedenen Menschen. Aber immer mit derselben stillen Erschöpfung dahinter.
Die unsichtbare Last der Führung
Führungskraft zu sein bedeutet Verantwortung. Für das Unternehmen, für die Mitarbeitenden, für die Zahlen am Ende des Monats. Das wissen alle, die sich für diesen Weg entscheiden. Was viele nicht wissen oder verdrängen ist, wie einsam dieser Weg sein kann. Denn wer führt, trägt nicht nur operative Verantwortung. Er oder sie trägt auch:
- Die unausgesprochenen Konflikte im Team, die niemand sonst sieht
- Die schlaflosen Nächte vor schwierigen Entscheidungen
- Die Zweifel, ob man auf dem richtigen Weg ist
- Den Druck, nach aussen stark zu wirken auch wenn es innen anders aussieht
Und das alles meist ohne einen Raum, wo man das ablegen darf. Ohne jemanden, der zuhört. Wirklich zuhört.
Was das kostet und ich meine nicht Geld
Die Kosten dieser Einsamkeit sind selten sofort sichtbar. Sie zeigen sich schleichend. Zuerst wird man ungeduldiger. Kleinigkeiten stressen mehr als früher. Man reagiert, anstatt zu gestalten. Der „Survival-Mode“, dieses permanente Funktionieren im Hier und Jetzt, wird zur Normalität. Dann beginnt die Distanz. Zu den Mitarbeitenden, die spüren, dass etwas nicht stimmt. Zur eigenen Intuition, die immer leiser wird, je lauter der Alltag ist. Manchmal auch zur Familie, zum eigenen Leben. Und irgendwann, das habe ich selbst erlebt und bei anderen beobachtet, verliert man den Faden zu dem, warum man das alles eigentlich macht. Das ist der eigentliche Preis des Alleintragens. Nicht das Burn-out, welches vielleicht irgendwann folgt. Sondern der stille Verlust von Freude, Klarheit und Verbindung. Lange bevor irgendjemand etwas merkt.
Warum Führungskräfte trotzdem nicht um Hilfe bitten
Ich frage mich das oft. Und ich glaube, es hat mit einem tief verwurzelten Bild von Stärke zu tun. Wer führt, soll Orientierung geben. Lösungen haben. Den Überblick behalten. Schwäche zeigen oder auch nur Unsicherheit zugeben, fühlt sich an wie ein Vertrauensbruch gegenüber dem Team. Dazu kommt: An wen soll man sich wenden? An Mitarbeitende nicht, das verwischt die Hierarchie. An Geschäftspartner nicht, da steht zu viel auf dem Spiel. An einen Coach oder Berater? Das fühlt sich für viele noch immer wie ein Eingeständnis an, es nicht alleine zu schaffen. Dabei ist genau das Gegenteil wahr. Die stärksten Führungspersönlichkeiten, die ich kenne, sind nicht diejenigen, die alles allein tragen. Es sind diejenigen, die wissen, wann sie Unterstützung brauchen und die den Mut haben, sie anzunehmen.
Was wäre, wenn…?
Was wäre, wenn Führungskräfte einen Raum hätten, vertraulich, ohne Agenda, ohne Bewertung. Wo sie einfach denken dürfen? Nicht um Lösungen zu bekommen. Sondern um eigene Gedanken zu sortieren. Um Muster zu erkennen, die man von innen nicht sieht. Um wieder in Kontakt zu kommen mit der eigenen Klarheit. Ich erlebe regelmässig, was passiert, wenn dieser Raum entsteht. Führungskräfte werden ruhiger. Entscheidungen fallen leichter. Das Team spürt die Veränderung. Oft ohne zu wissen, was sich verändert hat. Denn wenn eine Führungskraft gestärkt ist, profitiert das gesamte Unternehmen.
Ein erster Schritt
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen oder jemanden auf den das zutrifft, dann ist das vielleicht schon ein Zeichen. Nicht jede Last muss allein getragen werden. Und Unterstützung anzunehmen ist keine Schwäche. Es ist eine der mutigsten Entscheidungen, die eine Führungskraft treffen kann.
Ich bin Nathalie Braunwalder, Geschäftsführerin von People Dynamics. Ich begleite Geschäftsführer:innen und Führungskräfte von KMU als externe Reflexionspartnerin. Vertraulich, auf Augenhöhe und ohne interne Dynamiken.
Wenn Sie neugierig sind, freue ich mich auf ein erstes, unverbindliches Gespräch.
Herzlichst
Nathalie Braunwalder
„Durch Vertrauen entsteht Entwicklung. Die Entwicklung bringt Erkenntnis. Veränderung beginnt und Wachstum entfaltet sich.“
NB
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