Firmengruendung

Selbstreflexion fängt bei sich selber an und
das ist unbequemer als gedacht

von Nathalie Braunwalder, People Dynamics GmbH.

Es gibt einen Moment, den ich nicht vergessen werde. Ich stand im Türrahmen meiner Wohnung, kam nach Hause nach einem langen, schwierigen Tag. Ich war erschöpft, frustriert, innerlich aufgewühlt. Und dann sah ich mich im Spiegel. Nicht lang. Nur einen kurzen Augenblick. Aber in diesem Moment war mir klar: Das bin ich nicht. Diese Person, die ich gerade war, müde, gereizt, kaum wiedererkennbar für sich selbst, das entsprach nicht dem, was ich sein wollte. Nicht privat. Nicht beruflich. Nicht als Mensch. Dieser Augenblick vor dem Spiegel war unangenehm. Und er war das Wertvollste, was mir in dieser Zeit passieren konnte. Denn: er war der Beginn meiner ehrlichen Selbstreflexion.

Was Selbstreflexion ist und was nicht

Selbstreflexion ist kein Selbstmitleid. Sie ist auch kein endloses Grübeln, kein Kreisen in Gedanken ohne Ausweg. Selbstreflexion ist der ehrliche, bewusste Blick auf sich selbst. Auf das eigene Verhalten, die eigenen Muster, die eigenen Reaktionen. Die Frage: Wie bin ich in dieser Situation? Warum reagiere ich so? Was löst das in mir aus und was davon kommt wirklich von aussen, was kommt von innen? Es ist eine der anspruchsvollsten Fähigkeiten, die ich kenne. Nicht weil sie kompliziert ist. Sondern weil sie Mut erfordert. Den Mut, sich selbst klar anzuschauen. Ohne Ausrede. Ohne die Schuld beim anderen zu suchen. Ohne sich zu klein zu machen aber auch ohne sich zu schonen.

Warum es so schwer ist

Ich habe viele Menschen erlebt, die über andere sehr klar urteilen können. Die genau sehen, was beim Kollegen schiefläuft, was die Führungskraft falsch macht, was im Team nicht stimmt. Und dieselben Menschen hatten oft grosse Mühe, denselben klaren Blick auf sich selbst zu richten. Das ist zutiefst menschlich. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, uns zu schützen. Unangenehme Wahrheiten über uns selbst fühlen sich bedrohlich an, also weichen wir aus. Wir rationalisieren. Wir vergleichen. Wir suchen Gründe, warum es eigentlich die anderen sind. Und manchmal haben wir schlicht keinen Raum dafür. Der Alltag ist dicht. Die To-do-Liste lang. Wer hat Zeit, innezuhalten und sich zu fragen: Wie war ich heute wirklich? Dabei ist genau das der Schlüssel.

Was passiert, wenn Führungskräfte aufhören zu reflektieren

In meiner Arbeit erlebe ich es regelmässig: Führungskräfte, die über Jahre sehr viel leisten, sehr viel tragen und dabei den Kontakt zu sich selbst verlieren. Nicht dramatisch. Nicht von einem Tag auf den anderen. Sondern schleichend. Sie werden ungeduldiger, ohne zu wissen, warum. Sie reagieren auf Kleinigkeiten, die sie früher kaltgelassen hätten. Sie treffen Entscheidungen aus dem Bauch heraus, aber der Bauch ist längst nicht mehr ruhig, sondern angespannt. Und das Team spürt es. Auch wenn es nichts sagt. Die Qualität der Führung hängt unmittelbar davon ab, wie gut eine Führungskraft sich selbst kennt. Wer die eigenen Triggerpunkte nicht kennt, wird von ihnen gelenkt. Wer die eigenen Muster nicht sieht, wiederholt sie. Wer nie innehält, verliert die Fähigkeit, wirklich präsent zu sein, für sich und für andere.

Selbstreflexion als Führungspraxis

Ich glaube, Selbstreflexion ist keine Persönlichkeitseigenschaft. Man hat sie nicht einfach oder nicht. Sie ist eine Praxis. Etwas, das geübt werden will. Regelmässig, bewusst, manchmal auch unbequem. Was mir persönlich hilft und was ich immer wieder auch bei den Menschen beobachte, mit denen ich arbeite: Innehalten, bevor man reagiert. Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Dieser Raum ist die Freiheit. Wer lernt, diesen Moment zu nutzen, auch nur drei Atemzüge lang, verändert die Qualität seiner Reaktionen fundamental. Ehrliche Fragen stellen an sich selbst. Am Ende eines Tages, einer Besprechung, eines schwierigen Gesprächs: Wie war ich? Was hat mich getriggert? Was hätte ich anders machen können? Nicht als Selbstkritik, sondern als neugieriger Blick auf sich selbst. Feedback zulassen. Selbstreflexion braucht manchmal den Spiegel eines anderen Menschen. Jemanden, der ehrlich ist. Der nicht urteilt, aber auch nicht beschönigt. Das kann eine Vertrauensperson sein, ein Coach oder eine externe Reflexionspartnerin. Regelmässigkeit vor Intensität. Fünf Minuten täglich bringen mehr als ein einmaliger Rückzug im Jahr. Reflexion als tägliche Gewohnheit, nicht als Ausnahme.

Was mir der Moment vor dem Spiegel gebracht hat

Ich bin gerne ehrlich mit Ihnen. Dieser Moment war nicht angenehm. Er hat mir gezeigt, dass ich mich in einer Situation verloren hatte in einem Umfeld, das nicht mehr zu mir passte, mit Verhaltensweisen, die nicht meine waren. Aber er hat mir auch etwas zurückgegeben: Klarheit. Die Klarheit, wer ich sein will. Was mir wichtig ist. Wohin ich gehen möchte. Und die Erkenntnis, dass der erste Schritt in jede Veränderung immer derselbe ist: ehrlich hinschauen. Bei sich selbst anfangen. Aus diesem Moment ist unter anderem People Dynamics entstanden. Die Überzeugung, dass echte Entwicklung, beruflich wie persönlich, immer mit Selbstreflexion beginnt. Und dass es einen grossen Unterschied macht, ob man diesen Weg allein geht oder mit jemandem an der Seite, der zuhört und ehrliche und auch mal unbequeme Fragen stellt.

Ein Gedanke zum Schluss

Selbstreflexion ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen von Reife. Die Personen, die ich am meisten bewundere, als Führungspersönlichkeiten, als Menschen, sind nicht diejenigen, die immer alles „richtig“ machen. Es sind diejenigen, die bereit sind hinzuschauen. Die, die Kraft aufbringen, sich selbst ehrlich zu begegnen. Und die daraus wachsen. Das ist keine einfache Aufgabe. Aber sie ist die Lohnendste, die ich kenne.

Ich bin Nathalie Braunwalder, Geschäftsführerin von People Dynamics. Ich begleite Führungskräfte dabei, innezuhalten, zu reflektieren und mit mehr Klarheit und Bewusstsein zu führen. Für sich und für ihr Team.

Wenn Sie das Thema bewegt, freue ich mich auf ein Gespräch.

Herzlichst
Nathalie Braunwalder

«Durch Vertrauen entsteht Entwicklung. Die Entwicklung bringt Erkenntnis. Veränderung beginnt und Wachstum entfaltet sich.»
NB

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